Sind Angst und Depressionen Auslöser von Krebs?

AngstWir werden tagtäglich mit Situationen konfrontiert, die Angst und Depressionen verursachen, die den Körper schwächen und das Immunsystem angreifen. Und genau dieses geschwächte Immunsystem ist anfälliger für Krankheiten, darunter auch Krebs.

Aber sind Angst und Depressionen wirklich ein Auslöser von Krebs? Ist das nicht nur reißerische Panikmache?

Das Thema wird extrem kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite wird der Einfluss der Psyche auf die Entstehung von Krebs abgetan. Auf der anderen Seite stehen die Ängste und Depressionen der Betroffenen und deren Angehörigen, wenn die Diagnose Krebs gestellt wird.
So behauptet die Zeitschrift Focus in ihrem Special Krebs, dass Depressionen die Überlebenschancen schmälern.

Frau Dr. Jillian Satin und ihre Kollegen, Wissenschaftler der Universität von British Columbia in Vancouver, analysierten 26 Studien mit insgesamt 9417 Teilnehmern, in denen es um die Auswirkung von Depressionen auf das Überleben bei Krebserkrankungen geht. Sie fanden einen direkten Zusammenhang zwischen depressiver Stimmung und Sterberisiko. Menschen mit einer ausgeprägten Depression hatten ein um 39 Prozent höheres Risiko, am Krebs zu sterben als psychisch unauffällige Krebskranke. Erste Symptome einer Depression erhöhten das Sterberisiko um 25 Prozent.

 

Psychische Hilfe kann möglicherweise (Krebs) -patienten retten.

Die Studie zeige, wie wichtig eine psychische Bewertung des Patienten und gegebenenfalls seine Psychotherapie für eine erfolgreiche Krebsbehandlung sein können.
Eine Schlussfolgerung über den Zusammenhang von Depressionen und dem Krankheitsverlauf war den Forschern nach eigenen Angaben nicht möglich. Mit diesem Aspekt hatten sich aber auch nur drei der 26 analysierten Studien befasst. Weitere Untersuchungen sollten darüber hinaus klären, ob möglicherweise auch die Art des Krebses eine Rolle spielt, welchen Einfluss die Psyche auf die Erkrankung nimmt.
Man sollte jede Studie gründlich hinterfragen. Wer hat geforscht? Wo wurde geforscht? Unter welchen Bedingungen wurde geforscht? Wie lange? An wie vielen Personen? Wie alt waren sie? Welche Krankheiten hatten sie? Männlich oder weiblich? Welche Medikamente nahmen sie – und so weiter.
Und: wer hat die Studie überhaupt bezahlt? Womöglich die Pharma-Industrie mit ihren ganz eigenen Interessen?
Das Deutsche Krebsforschungszentrum verknüpft die Vermutung, dass die Psyche noch enger mit der Krebsentstehung in Zusammenhang steht, und zwar über das Immunsystem, dem wiederum bei der Krebsentstehung eine große Rolle zugemessen wird. Schon im Stoffwechsel und bei körperlichen Funktionen, die sich nicht kontrollieren oder ändern lassen, soll dieser Zusammenhang entstehen. Eine klare Ursache-Wirkung von psychischen Einflüssen auf das Immunsystem bis hin zur Krebsentstehung ist bisher nicht nachgewiesen worden. Es konnte jedoch gezeigt werden, dass sich einzelne Immunreaktionen infolge psychosozialer Belastungen messbar verändern.

 

Auszug aus der Untersuchung "Krebs und Psyche: Welche Zusammenhänge sind gesichert?" vom Tumorzentrum Erlangen-Nürnberg. Downloadlink am Ende des Artikels.

(Auszug aus der Untersuchung „Krebs und Psyche: Welche Zusammenhänge sind gesichert?“ vom Tumorzentrum Erlangen-Nürnberg.)

Angst, Depressionen und Panik sind Gefühle, die uns täglich übermannen, insbesondere viele Kranke und deren Angehörige nach einer Krebsdiagnose.

Es sind der unsichere Verlauf und die tief greifenden Lebensveränderungen, die Krankheiten generell mit sich bringen. Generell sollten Menschen in seelischen Krisensituationen schnellstmöglich psychisch geholfen werden, zumal wirksame psychotherapeutische Unterstützung möglich ist.

 

Wer übernimmt die Kosten?

Die Beratung in psychosozialen Krebsberatungsstellen, Akut-Kliniken und Rehabilitationskliniken ist in der Regel für Patienten und Angehörige kostenfrei – oder mit den allgemeinen Behandlungskosten bereits abgedeckt. Bei einer ambulanten Psychotherapie entstehen Kosten, die in den meisten Fällen von den Krankenkassen übernommen werden. Im Psychoonkologen-Verzeichnis des Krebsinformationsdienstes finden sich bei jeder Adresse Angaben zur Kostenübernahme.

 

Die Psyche braucht Zeit, mit neuen Lebenssituationen zurechtzukommen.

Die seelische Verarbeitung läuft bei jedem Menschen in unterschiedlichen Phasen. Eine Befragung von Krebskranken durch Focus hat ergeben, dass 47 % aller Betroffenen bereits bei der Diagnose psychologische Unterstützung gebraucht hätten. 20 % während der Therapie, 15 % bei der Reha und Nachsorge und 18 % während der gesamten Behandlung.

Die Reaktion auf die Diagnose „Krebs“ kann individuell in sehr unterschiedlichen Phasen ablaufen. Viele Betroffene erleben, wenn auch nicht unbedingt in dieser Reihenfolge, folgende seelische Phasen der Verarbeitung:

 

  • aktive Verweigerung: die Diagnose wird innerlich nicht akzeptiert
  • aggressive Verweigerung: die Diagnose wird innerlich aktiv abgewehrt, um sie nicht wahrhaben zu müssen
  • teilweise Verweigerung: die vollständige Verweigerung lässt nach, ansatzweise wird das Bewusstwerden der Situation innerlich zugelassen
  • depressive Annahme: vollständiges Bewusstwerden der Diagnose, was aber Verzweiflung und Depressivität auslöst
  • bewusste Annahme: Bewusstwerden und Akzeptanz der Situation sowie die Bereitschaft, objektiv darüber nachzudenken
  • verklärte Annahme: die Diagnose „Krebs“ wird innerlich angenommen, aber in anderem Sinnzusammenhang bewertet, beispielsweise, dass es Sinn macht, oder von einer höheren Macht gewollt ist usw.

Selbsthilfe – von Betroffenen für Betroffene

Neben der professionellen Unterstützung kann auch der Austausch mit anderen Betroffenen eine wichtige Hilfe im Umgang mit der Erkrankung sein.
Je nach Art der Krebserkrankung gibt es unterschiedliche Selbsthilfe-Organisationen, oder Selbsthilfegruppen Adressen der entsprechenden Bundesverbände, die Auskunft über regionale Angebote und Ansprechpartner geben, sind über das Deutsche Krebsforschungszentrum zu erfahren.

Manche Menschen möchten jedoch lieber alleine mit Ängsten und Depressionen umgehen. Im Internet findet man unter anderem Foren, in denen man anonym bleiben kann. Das hilft dabei sehr.
Darüber hinaus werden von Vielen sehr große Erfolge mit den Programmen Weg mit der Panik (dem deutschen Pendant von dem in Amerika sehr erfolgreichem Programm Panic Away) und mit der Linden-Methode berichtet.

Warum fällt es Deutschen so schwer psychologische Hilfe anzunehmen? Der Begriff Psychologe ist bei uns immer noch negativ besetzt. Sieht man nach Amerika, gehört es schon fast zum guten Ton, einen Therapeuten zu haben. Es ist nichts, absolut gar nichts Schlimmes oder Verwerfliches daran, sich psychologisch helfen zu lassen. Wir müssen nicht alleine sein. Wir müssen nur die Hilfe zulassen.

 

 

Quellen:
• Krebs und Psyche: Welche Zusammenhänge sind gesichert?
http://www.tumorzentrum.uk-erlangen.de/e1846/e5458/e5925/inhalt6135/Sllner_KrebsundPsyche-WelcheZusammenhngesindgesichert%5BKompatibilittsmodus%5D.pdf

• The Effect of Anxiety on Breast Cancer Patients
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3498772/

• Psychological Aspects of Prostate Cancer
http://www.medscape.com/viewarticle/764044_4

• Adjustment to Cancer: Anxiety and Distress
http://www.cancer.gov/cancertopics/pdq/supportivecare/adjustment/HealthProfessional/page1/AllPages

• http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/news/krebs-depression-schmaelert-ueberlebenschance_aid_435474.html

• http://news.ubc.ca/2009/09/14/depression-increases-cancer-mortality-rate/

• Klinische Krebs-Studien
http://www.krebsinformationsdienst.de/grundlagen/neue-verfahren-krebsforschung.php#epi

• http://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/iblatt/iblatt-psychoonkologie.pdf

• http://www.tumorzentrum.uk-erlangen.de/e1846/e5458/e5925/inhalt6135/Sllner_KrebsundPsyche-WelcheZusammenhngesindgesichert%5BKompatibilittsmodus%5D.pdf

• http://www.medizinfo.de/krebs/allgemein/psyche.shtml

• http://nlpportal.org/nlpedia/wiki/Fast_Phobia_Cure

 

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