Eine App für die Krebsfrüherkennung? Wirklich?

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Es gibt eine App für die ärztliche Beratung über das Smartphone.

Die Entwickler dieser App, Simon Bolz und Dr. Simon Lorenz fanden nach Gesprächen mit Hautärzten heraus, dass 90 % der Diagnosen per Foto gestellt werden könnten.

Bei dem Gespräch mit dem Chefarzt der Klinik für Dermatologie und Allergologie der TU München, Prof. Johannes Ring, berichtet dieser, dass auch ihm seine Patienten häufig Bilder von Hautveränderungen übermitteln.

So vermittelt zum Beispiel die App Goderma Online-Beratungen bei Hautproblemen durch versierte Dermatologen gegen Geld. Vorteil der App ist, dass der Patient nicht lange auf die erste Einschätzung warten muss. Die Beratung ist anonym und der Nutzer erhält innerhalb von 48 Stunden eine Antwort. Sollten die übermittelten Fotos nicht gut genug sein, fordern die Ärzte neue Bilder an.

Hinter diesem Service stehen Fachärzte mit weitreichender klinischen und praktischen Erfahrung (drei von ihnen sind Professoren). So können Ausschläge, Pickel, Leberflecken und beginnender Hautkrebs schon in der Entstehungsphase rechtzeitig erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Eine Krebsfrüherkennung ist auf jeden Fall sicherer als eine Selbstdiagnose, die in man sich aufgrund eigener Internetrecherchen stellt und die in jedem vierten Fall falsch ist.

Ab einem Alter von 35 Jahren bezahlt die gesetzliche Krankenkasse alle 2 Jahre
eine Untersuchung der gesamten Körperoberfläche. Gerade Sonnenanbeter, ältere Menschen, Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen oder sich nicht gesund ernähren (können oder wollen), sollten dieses Angebot bei einem Verdacht wahrnehmen.

Die App Goderma gibt es seit Dezember 2013. Sie hat nicht nur Befürworter – ganz im Gegenteil. So sagt unter anderem ein Sprecher der Ärztekammer Nordrhein, dass das Angebot gegen das Fernbehandlungsverbot verstößt (§ 7, Ausschluss einer ausschließlichen Behandlung oder Beratung über Print- oder Kommunikationsmedien).
Müssten dann nicht auch die Patientenberatungs-Hotlines der Krankenkassen unter dieses Verbot fallen?

Klar sollte sich jeder Nutzer dieser von Internetmedizin sein, dass es sich um eine erste Einschätzung und keine Diagnose handelt. Es würden keine Rezepte verschickt und es würde auch niemand eine Therapieempfehlung erhalten, so die Entwickler der App. Der Gedanke ist, Menschen mit akutem Zeitmangel, Entfernung zum nächsten Arzt oder Menschen mit Gründen von Scham eine erste solide ärztliche Einschätzung zu bieten. Selbstverständlich werden die Nutzer durch die Ärzte bei Auffälligkeiten gebeten, umgehend einen Hautarzt aufzusuchen.

Am 23.11.2012 wurde der Bundesverband der Internetmedizin gegründet. Die Aussage: das Thema ärztliche Beratung per Internet ist eine Maßnahme der Zukunft. Vorteil der digitalen ärztlichen Kommunikation ist vor allen Dingen ein kosteneffizienter und zeitsparender Austausch von kostbarem globalem Know How.

Vom Bundesverband wird klar bei den Zielen darauf hingewiesen, dass es auch Risiken bei der Internetmedizin gibt, so zum Beispiel von nutzlosen Gesundheitstipps bis hin zu lebensgefährlichen Therapieangeboten. Vom Datenschutz mal ganz abgesehen.
Bisher findet auch keine systematische Entwicklung oder Qualitätssicherung statt. Mal ehrlich, wer sollte das im Internet kontrollieren (können).
Es wird wahrscheinlich noch Jahrzehnte dauern, bis wir mit unserer (teilweise berechtigten) Kontrollwut und Regulierungswahn hier akzeptable Ergebnisse sehen.

Bis dahin muss jeder Patient selbst entscheiden, ob er Apps für die rechtzeitige Erkennung von Krankheiten benutzen möchte und den Ferneinschätzungen fremder Ärzte vertraut.

Die Internetmedizin bietet enormes Potenzial und Chancen. Sie ist neu. Früher hat man auch nicht geglaubt, dass man auf den Mond fliegen könne….

 

P.S.:
Auf der Website Deutsches Telemedizinportal des Fraunhofer Instituts (gefördert vom Deutschen Bundesministerium für Gesundheit) sind weitere Organisationen, Ministerien, Organisationen, Fachgesellschaften, Verbände, Initiativen und Fachgruppen zu finden, die sich mit der Internetmedizin beschäftigen.

 

Quellen:
rp online
Bundesverband Internetmedizin

[shariff]

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